WELPENSPIEL

von Sonja Stammer

Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass das HundeWerk.net kein Welpenspielgruppen anbietet, sondern Welpen mit ihrem Menschen direkt in den Erziehungskursen starten. Unser oberstes Ziel ist die Bildung eines harmonischen Teams, das ruhig und entspannt durch das gemeinsame Leben gehen kann. 

 

 

 

Warum haben wir uns gegen die typischen Welpenspielstunden entschieden? 

Um dies zu beantworten, ruf dir kurz ins Gedächtnis, wie es in einer Welpenspielstunde aussehen kann: Dein Welpe hüpft wie wild im Kofferraum, freut sich auf das Welpenspielen. Du kannst ihn gerade noch anleinen, bevor er schon aus dem Auto springt und dich in Richtung Welpenplatz zerrt. Auf dem Platz angekommen schaffst du es noch gerade so ein „Sitz“ einzufordern, bevor dein Welpe losflitzt und eine Stunde mit den anderen Welpen „spielt“. Dort geht es über Stock und Stein, es wird gerannt, gebuddelt, gebalgt und viel gelernt. Die Hundehalter stehen verzückt dabei und beobachten die wilde Horde, während sie gleichzeitig versuchen der Trainerin zu lauschen. Der ein oder andere Welpe sucht Schutz zwischen den Beinen eines Menschen und wird dann wieder in die Meute geschoben. Kommt dir das bekannt vor? Wenn ja, lies unbedingt weiter. Wenn nein, bist du vermutlich auf einem guten Weg.

Was lernt dein Welpe in solchen Spielstunden?

Im besten Fall lernt dein Welpe, dass andere Hunde sehr viel Spaß bedeuten. Spaß ohne dich. Im schlechtesten Fall lernt dein Welpe, dass ihm niemand hilft und er eigene Lösungsstrategien finden muss, um sich zu retten und dass sein Mensch in solchen Situationen als Teampartner nicht zu gebrauchen ist, ihm weder Schutz noch Lösungen bietet. 

Nicht jeder Welpe möchte spielen oder zumindest nicht so. Selbst wenn dein Welpe aufhören möchte zu spielen, kann er dies in den Welpenspielstunden oft nicht, da die anderen Welpen weiterhin munter in ihn hinein krachen und ihn jagen. Ein Spiel zwischen zwei Hunden kann nur im entspannten Umfeld stattfinden, wenn also beide Hunde freiwillig mitmachen und nicht wenn sie dazu genötigt werden.

Mach dir bewusst was eine solche Welpenspielgruppe für deinen Welpen und sein sich entwickelndes Gehirn bedeutet. Die reinste Überforderung, Synapsenfasching pur. Unter normalen Bedingungen benötigen Welpen zum gegenseitigen Kennenlernen, im 1 zu 1 Kontakt, etwa 15 Minuten. Wie ist es wohl für sie, wenn sie in eine Gruppe von x Welpen geworfen werden? Mit dieser Überforderung geht es dann wieder nach Hause. Wo dein kleiner Welpe diese Erfahrung verarbeitet und im Gehirn fest verankert. Eine Erfahrung, in der du nur am Rande vorkommst. 

Hunde aus solchen Welpenspielstunden, haben später oft Probleme an anderen Hunden ruhig vorbei zu gehen. Ihre Frustrationstoleranz – auch mal keinen Kontakt zum vorbeilaufenden Hund zu haben – geht gegen 0. Immer wieder kommen Menschen mit Hunden zu uns, die schreiend in der Leine hängen sobald andere Hunde ins Spiel kommen. Sie sind wenig an ihren Menschen angeschlossen, dieser hängt hinten an der Leine und wird mit geschliffen. Der Hund vorne an der Leine zieht, bellt, hüpft und kreischt in Richtung der anderen Hunde. Ein entspannter Spaziergang ist kaum möglich. An ein Miteinander nicht zu denken.

Einmal von der Leine gelassen, stürzen sie sich auf jeden Hund, egal ob dieser möchte oder nicht und nötigen den anderen Hund zu einem wilden Lauf“spiel“. So holt sich der Hund seinen Endorphinkick, mit weit aufgerissenen Pupillen, hechelnd und glückselig steht der Endorphinjunkie schließlich auf der Wiese. Sein Mensch Chauffeur muss warten, bis sein Hund fertig ist, denn Einfluss auf seinen Junkie Hund kann er nicht nehmen.

Dies ist noch das positivere Szenario. Hat dein Welpe in den Welpenspielstunden gelernt, dass er in Gefahr ist und ihm niemand hilft, womöglich Angriff die beste Verteidigung ist, dann wird er nicht wie wild zu anderen Hunden hinziehen, um sie zu einem „Spiel“ zu nötigen, sondern auf Angriff gehen. 

Aber Welpen sollen doch Sozialverhalten lernen! Können Welpen von Welpen Sozialverhalten lernen? – Wir gehen mal davon aus, dass keiner der Welpen im Welpenspielen wirklich einen „Plan“ hat. Sozialverhalten, die so wichtige Kommunikation und den Respekt lernen Welpen von erwachsenen Hunden. Verstehe uns nicht falsch, natürlich ist Spielen wichtig und richtig, aber nicht in einem Mob aus 5-15 Welpen. Pflege lieber einige wenige gute Hundefreundschaften. Natürlich soll dein Welpe viele Erfahrungen sammeln, andere Lebewesen und Dinge kennenlernen. Aber nicht alleine und losgelöst von dir, sondern mit dir zusammen. Gerade in den ersten Tagen hat dein Welpe noch keine ausreichende Bindung zu dir, um dich in für ihn überfordernden Situationen aufzusuchen. Daher lernt euch erst einmal kennen, bevor ihr euch gemeinsam ins Abenteuer stürzt. Du bist immer die wichtigste Person im Leben deines Hundes, du gibst ihm Sicherheit und Halt. 

Beim Sammeln von Erfahrungen geht es um Qualität nicht um Quantität. Lebe deinen Alltag und fang nicht an irgendwelche Listen abzuarbeiten, was dein Welpe alles gesehen haben muss. Bedenke bei euren Abenteuern immer, dass der letzte Eindruck zählt. Überlege, ob eine Situation deinen Welpen in seinen Erfahrungen weiterbringt. Nicht jede Erfahrung muss rein positiv sein, auch negative Erfahrungen haben ihre Berechtigung. Aber auch sie sollen deinen Welpen immer ein Stück nach vorne bringen. Dein Welpe darf also durch aus mal die Erfahrung machen von einem souveränen älteren Hund in die Schranken gewiesen zu werden. Dieser Hund wird ihm Respekt und klare Grenzen vermitteln.

Was sind deine Erwartungen und Ansprüchen an deinen Hund und euer gemeinsames Leben? Was wünscht du dir für eure gemeinsame Zukunft?
Einen treuen Begleiter, der mit dir durch das Leben geht, sich an dir orientiert. Gelassen und neutral an anderen Hunden und Menschen vorbei geht und sich diesen insgesamt positiv und respektvoll gegenüber verhält? Einen Hund, der sich auf dich verlässt, der dir Entscheidungen überlässt?

Dein Hund soll später nicht selbstständig zu jedem fremden Hund und Menschen hinlaufen?
Dann bring deinem Welpen nicht bei, dass das in Ordnung ist. Gehe an 95% der Hunde und Menschen einfach neutral vorbei, ohne Kontakt herzustellen.

Dein Hund soll sich bei dir in Sicherheit fühlen und in heiklen Situationen bei dir Schutz suchen?
Dann regle von Anfang an schwierige Situationen für deinen Welpen. Lass ihn nicht im Regen stehen. Lerne Situationen zu bewerten und die Körpersprache von Hunden zu lesen. 

Dein Hund soll zuverlässig zurückkommen, wenn du ihn rufst?
Dann lass deinen Welpen nicht von Anfang eigenständig die große, weite Welt entdecken, um ihn dann im Jugendalter plötzlich in seinen Expeditionen einzuschränken.

Lässt du deinen Welpen von Anfang an alleine entscheiden, was, wann und wie er es machen möchte, dann braucht er dich nicht. Du bist nur noch Personal, von einem funktionierenden Team weit entfernt.

Bedenke immer: Du bist der wichtigste Sozialkontakt deines Hundes! Dein Hund benötigt nicht zig lose Hundebekanntschaften, sondern nur einige wenige gute Hundekumpel und dich als seinen Gefährten.

Du möchtest Unterstützung in den ersten Wochen mit deinem Welpen, dann schau bei unserem Welpentraining-Online vorbei.