ANGSTHUNDE RICHTIG SICHERN

von Sonja Stammer

Hast Du einen sehr ängstlichen Hund, der schnell in Panik gerät und auch Menschen gegenüber scheu reagiert?
Oder kommt dein Hund frisch aus dem Tierschutz und ist noch sehr unsicher? Dann sind vorausschauende Managementmaßnahmen nötig, um deinen Hund zu sichern. 

 

 

Immer wieder haben wir in unserem Hundeschul-Alltag mit sogenannten Angsthunden zu tun. Hunde, die vor allerlei Umweltreize Angst haben, zum Teil in Panik verfallen. Das können Geräusche sein, oder die alltäglichsten Gegebenheiten: Autos, Jogger, Gegenstände jeglicher Art oder Menschen im Allgemeinen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und eine Therapie oft langwierig.

Diese Hunde benötigen besondere Aufmerksamkeit in der Erziehung und der Therapie, aber auch im Handling, damit sie nicht in einem unbedachten Moment entlaufen. 

Wir wollen dir hier einige wichtige Tipps mitgeben, wie du deinen Angsthund absichern kannst und vor dem Entlaufen schützt. Diese Tipps basieren auf unseren Erfahrungen aus dem Hundeschul-Alltag. Wir hoffen, dass sie dir helfen über die erste unsichere Zeit hinweg zu kommen, bis du und dein Hund zu einem vertrauensvollen Team zusammengewachsen seid.

Angsthunde absichern: 

Material: Ob Leine, Halsband oder Geschirr, achte bitte auf eine gute Qualität. Hier geht Funktionalität und Qualität vor Optik. Die handgefertigte Tauleine sieht sicher chic aus, kann sich im Zweifelsfall aber in Wohlgefallen auflösen und dein Panikhund ist über alle Berge. Kontrolliere und pflege das Material regelmäßig.

Sicherheitsgeschirr: Aus den „normalen“ Geschirren kann ein Hund entkommen. Hat er erst einmal gelernt, wie er sich aus dem Geschirr herauswinden kann, geschieht dies in einer rasenden Geschwindigkeit. Daher raten wir bei ängstlichen Hunden zu einem sogenanntes Panik- oder Sicherheitsgeschirr. Ein dritter Gurt verhindert das Herauswinden des Hundes.

Hausleine: Lässt sich dein Hund nicht gerne von dir anfassen oder verkriecht sich sogar an einem unzugänglichen Ort, dann sollte dein Hund auch Zuhause -gerade am Anfang- mit Geschirr und Hausleine ausgestattet sein. So kannst Du an deinen Hund ohne an den Hund zu müssen 😉. Bedeutet, du kannst den Hund kurz mal festhalten oder von A nach B führen, ohne dass Du immer direkt an den Hund langen musst. 

GPS-Tracker: Im Fall der Fälle kann ein GPS Tracker, bei der Suche nach deinem entlaufendem Hund helfen. Achte bei der Anschaffung des Trackers auf eine lange Akkulaufzeit. Wir raten dazu den GPS-Tracker gerade zu Beginn auch im -vermeintlich- gut gesicherten Garten am Hund zu haben.

Zwei Intervall Management: In den eigenen vier Wänden fühlt man sich sicher und entsprechend sorglos geht man mit der Sicherung des Hundes um. Doch gerade dort lauert die Gefahr, dass der Hund in einem ungünstigen Moment entwischt. Daher raten wir Zuhause zu einem zwei Intervall/Hürden Management: Zuhause sollten immer zwei Türen/Hürden bis nach Draußen fest verschlossen sein. Damit meinen wir z.B. 1. Intervall = Haustür, 2. Intervall = hohes Gartentor oder 1. Intervall = Tür zum Vorraum/Diele, 2. Intervall = Haustür. Denkbar wäre auch ein Kindergitter, welches den direkten Zugang zur Haustür verhindert und somit als ein Intervall dient. Das Ganze funktioniert wie eine Schleuse, eine Tür/Absperrung ist immer geschlossen. Das verhindert ein plötzliches Entkommen des Hundes, wenn in einem ungünstigen Moment die Haustür aufgeht. 

Türen sichern! Bedenke, dass manche Hunde Türen öffnen können. Daher schließe Türen ab, die nach draußen führen. Oder sichere sie über Handknäufe, anstelle von Klinken.

Auto: Im Auto sollte dein Hund so gesichert sein, dass er nicht direkt herausspringen kann, wenn sich die Tür oder Kofferraumklappe öffnet. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten: Schnall oder leine den Hund an. Hierfür können z.B. die Zurrösen im Kofferraum genutzt werden. Auch eine Transportbox kann gute Dienste leisten, um deinen Hund am unkontrollierten Herausspringen zu hindern. 

Hund registrieren: Registriere deinen Hund sofort bei Tasso und Findefix. Dies sind die gängigen Haustierregister. Im Fall der Fälle kannst du so schnell benachrichtigt werden, wenn dein Hund gefunden wurde.

Telefonnummer: Deine Telefonnummer am Hund ist eine weitere Möglichkeit, damit du im Fall der Fälle schnell benachrichtigt werden kannst. Lass das Halsband und/oder Geschirr mit deiner Telefonnummer besticken oder befestige eine Marke mit deiner Telefonnummer. Dabei raten wir immer direkt die internationale Vorwahl zu nutzen, so bist du auch bei einem eventuellen Grenzübertritt abgesichert.

Geruchsartikel anlegen: Sollte der Hund doch entlaufen, kann ein Pettrailer über einen Geruchsartikel die Spur des entlaufenden Hundes aufnehmen. Lege daher vorsorglich einen Geruchsartikel deines ängstlichen Hundes an und bewahre diesen in einer geschlossenen Dose oder einem Gefrierbeutel auf. 

Garten: Egal, wie gut gesichert dein Garten ist, gibt es immer einen Hund, der zum ersten Mal daraus ausbüxt. 10 Jahre ist aus meinem Garten kein Hund entkommen, weder meine eigenen noch Hunde,  die zu Gast bei mir waren. Ich hielt meinen Garten für ausbruchsicher…doch dann kam meine neue Border Collie Hündin und zeigt mir wie schnell man einen Zaun überwinden kann. (Zum Glück überwand sie den Zaun nur, um zu mir zu kommen.)
Daher lasse zu Beginn den Hund nicht ungesichert in den Garten. In den ersten Tagen raten wir dazu den Hund nur mit einer Schleppleine, die du in der Hand hältst, in den Garten zu lassen. Später, wenn du den Hund besser einschätzen kannst, kann es auch möglich sein die Schleppleine schleppen zu lassen oder nur ein kurzes Stück Schleppleine am Hund zu belassen. Das machst du davon abhängig, wie gut du an den Hund herankommst.

Doppelt sichern: Bei extrem ängstlichen Hunden oder gerade aus dem Tierschutz angekommenen Hunden raten wir zu einer doppelten Absicherung beim Spaziergang. Sicherheitsgeschirr und enges Halsband, beides mit Leinen versehen. Eine Leine ist an deinem Körper befestigt, z.B. über einen Jogginggurt oder einfach um den Bauch gebunden, mit der anderen Leine führst du den Hund. So kann der Hund auch dann nicht entlaufen, wenn Dir die Leine aus der Hand rutscht (ja, so etwas passiert) oder du stolperst oder fällst (auch das kann passieren).

Manche Hunde knabbern ihre Geschirre und Leinen in unbeobachteten Momenten durch. Dies ist ein weiterer Grund für eine doppelte Absicherung über ein Halsband und Geschirr. Sollte der Hund das Geschirr durchgebissen haben, hast du im Fall der Fälle immer noch ein Halsband. Kontrolliere immer wieder das Material. Sollte der Hund seine Leine durchbeißen, kannst du auch eine Kettenleine nehmen. Gerade in den Bereichen, an denen du den Hund nicht beobachten kannst (z.B. auf der Autofahrt)

Flexileine am Körper befestigen: Über den Gebrauch von Flexileinen kann man streiten. Wir können aber nachvollziehen, dass der ein oder andere Hundehalter gerne auf sie zurückgreift, vor allem dann, wenn der Hund nicht abgeleint werden kann. Die Flexileine darf gerade bei Angsthunden niemals nur in der Hand gehalten werden. Das Handstück sollte immer zusätzlich an deinem Körper befestigt werden. Bei leichteren Hunden reicht die bei der Leine mitgelieferte Handschlaufe aus. Bei größeren und schwereren Hunden hat sich bewährt, das Handstück der Flexileine mit einer weiteren Leine am Körper zu sichern (s. Bild). Sollte dir das Handstück aus der Hand fallen, kann es nun nicht mehr den Hund verfolgen und einen ängstlichen Hund schier in Panik versetzen. Der Hund ist auf jeden Fall immer noch mit dir verbunden.