WILSON DER ANTIAUSSIE TEIL: 32

von Mira Weidhaas

WILSON AN WEIHNACHTEN, ODER DIE GEISTER, DIE ER RIEF

Noch eine dieser wunderschönen Bilderbuchvorstellungen des gewöhnlichen Hundebesitzers ist die, den Heiligen Abend bei gemütlichem Kerzenschein, nach einem guten Essen und einer reichen Bescherung gemeinsam mit dem Hund unter dem heimischen Tannenbaum zu verbringen.


Noch eine dieser wunderschönen Bilderbuchvorstellungen des gewöhnlichen Hundebesitzers ist die, den Heiligen Abend bei gemütlichem Kerzenschein, nach einem guten Essen und einer reichen Bescherung gemeinsam mit dem Hund unter dem heimischen Tannenbaum zu verbringen. Der Hund ist schließlich – ob man nun glücklich darüber ist, oder nicht—Teil der Wesen, die einem im Leben am nächsten stehen und somit qualifizieren sich die Fellnasen automatisch für eine gemeinsame Weihnachtsfeier. Für den ein oder anderen Vierbeiner ist das Fest der Liebe trotz des Stresses und der ungewöhnlich hohen Besucherdichte mit großer Sicherheit auch etwas Schönes. Die ganze Familie ist beisammen, niemand muss vermisst werden, dem leicht angesäuselten Besitzer fällt vielleicht versehentlich ein Stückchen Braten unter den Tisch und bei Weihnachtsliedern und Kerzenschein klingt der Abend zumeist in einer gemütlichen Runde aus, während der ein Hund ausgezeichnet gekrault werden kann.Für Wilson hält sich die Vorfreunde auf Weihnachten allerdings in Grenzen. 
Wilson vor dem Weihnachtsbaum
Sein Wohlbefinden ist selbstredend schon in der Adventszeit durch die außergewöhnlichen Aktivitäten seiner Besitzerinnen eher mittelmäßig. Da stellen sich diese Menschen plötzlich Teile der Natur ins Haus, die doch eigentlich in den Wald gehören. Dauernd kommen fremde Leute zu Besuch, Hund selbst wird zu fremden Menschen in mit blinkendem Kitsch vollgestopfte Wohnungen mitgeschleppt und ein Müdi kann qua Maulkorb dort noch nicht einmal vom leckeren Essen kosten, das die jeweiligen Räumlichkeiten mit einem tollen Geruch erfüllt. Alles ungewöhnlich, deswegen fühl es sich so gar nicht wohl, muss ja eigentlich alles IMMER seinen gewohnten Gang nehmen, da kommt ihm die Adventszeit eben so gar nicht gelegen. Ich brauche an dieser Stelle sicherlich nicht erwähnen, dass der Mistkerl schon mal ein ganzes Blech mit frisch gebackenen Keksen gefressen, Nikolausstiefel geplündert oder auch den Resten von Glühwein aus den nicht ordnungsgemäß verstauten Tassen vom Vorabend niemals abgeneigt ist. Sollte ihm also eigentlich schon ein bisschen gefallen, wenn die Menschen mehr essen, können nämlich auch mehr Reste vergessen und durch Müdis verzehrt werden. Unlogisch also, dass er sich in dieser Zeit nicht so wohl fühlt…Verstehen kann ich allerdings ein bisschen, dass er die Festtage selbst nicht zwingend herbeisehnt. Diese verbringt er nämlich leider allein. Dabei ist das nichtmeine Unbarmherzigkeit, die ihn in die Isolation verbannt, sondern seine Miesmadigkeit. Ganz wie Charles Dickens‘ Ebenezer Scooge hat er es nämlich geschafft es sich mit den Artgenossen in seiner Umgebung derart zu verscherzen,dass er leider nicht mehr eingeladen wird. So trug es sich vor einigen Jahren zu, dass er eines Tages beschlossen, den kleinen Dackelmix meiner Eltern auf die Todesliste zu setzen, was zu einigen unschönen Auseinandersetzungen führte.

Da Alter und Unschuld vor Schönheit und unbegründetem Hass geht, kann er leider nicht mehr am Weihnachtsfest meiner Familie teilnehmen. Er muss dann während Abendessen und Bescherung alleine in der Wohnung meiner Oma nebenan ausharren und warten, bis wir fertig sind. Ganz schön unbarmherzig hört sich das an, oder? Nun ja, man muss dazu sagen, der Hund meiner Eltern ist schon älter und sein kleines Herzchen würde den Stress einer offenen Konfrontation mit meinem Kampfzwerg wahrscheinlich nicht mehr standhalten. Deswegen hatten wir vor einigen Jahren beschlossen, Wilson auszulagern, bis es den kleinen Robbi nicht mehr geben würde. Wilson hat sich diese Suppe selbst eingebrockt und ich kann soweit ganz gut damit leben, ist ja nicht für immer. Allerdings ist Robbi mittlerweile 16 Jahre alt und scheint so ganz und gar nicht bereit dazu zu sein, seinen Platz unter dem Tannenbaum an den Tyrannen abzutreten und wenn es das ist, was den kleinen senilen Emeriten am Leben hält, dann hat das Müdi ja doch eine gute Tat vollbracht und sich so das ein oder andere Leckerchen mehr verdient.WILSON AN WEIHNACHTEN, ODER DIE GEISTER, DIE ER RIEF